- Geist und Leben 3/2007
Einsam bist du nicht allein
Der Neuaufbruch des eremitischen Lebens: ein prophetisches Zeichen für
die Kirche heute?
Marianne Schlosser, Wien
Das Thema »eremos« liegt in der Luft. Das zeigen nicht nur zahlreiche Publikationen vom opulenten Bildband bis zur persönlichen Erfahrung der Wüste, in der man seine Grenzen erkenne,1 oder Reflexionen zur „Spiritualität
der Wüste“,2 sondern auch die Aufnahme, die Philip Grönings Kartäuser-Film „Die große Stille“ fand. Bereits im Jahr 1988 konstatierte Karl Suso Frank, dass die Gegenwart ein gesteigertes Interesse an der Einsamkeit zeige, das zu einer Erneuerung der eremitischen Lebensform führe.
In der katholischen Kirche entstanden ab den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts weltweit verschiedene eremitische Gruppierungen.3
Solche Neuansätze eremitischen oder semi-eremitischen Lebens sind auch im evangelischen Bereich zu verzeichnen.4 Aufgenommen und zugleich
verstärkt wurde diese Entwicklung durch die Forderung des Konzils nach Erneuerung des Ordenslebens, die in Rückbesinnung auf dessen Ursprünge
geschehen solle: „Der Ruf ‚zurück zu den Quellen‘ führt wiederum zur Wertschätzung des Einsiedlerlebens und wehrt sich gegen ein verzwecktes und verplantes Ordensleben.“
Der gesamte Text steht hier zum