Einsam und allein

Neues Buch

Mittwoch, 6 Mai 2009 von mal

Endlich fertig! Der Druckauftrag ist ausgegeben, nun wartet alles (der Verlag und ich auch) auf die Druckmaschine, die irgendwann in den nächsten Wochen das Manuskript in Buchseiten verwandelt und die fertigen Exemplare dann ausspuckt.
So Ende Mai, Anfang Juni ist das geplant.
Und dann kann man es lesen:
“Sich Gott aussetzen und standhalten. Eremitisches Leben heute.”
Hardcover, 128 Seiten, 12,80 Euro, Aschendorff Verlag Münster
ISBN 978-3-402-12811-4
Vorbestellen kann man es auch schon unter:
Petra.Landsknecht@aschendorff.de

Pax et Bonum
mal

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Ganz leise eine Ankündigung

Donnerstag, 5 März 2009 von mal

Liebe Besucher dieser Seite,
seit langem in Arbeit, (aber noch nicht fertig): die neue Seite.
Wer schon mal schauen möchte und hoffentlich nicht allzu enttäuscht ist über die wenigen Informationen,
hier ist sie.
http://www.eremiten-in-deutschland.de

Sie wird sich allmählich füllen und auch über das Network wird es demnächst Informationen geben.
Vorläufig nur bitte ich um Geduld.
Danke und
Pax et Bonum
Maria Anna

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Etwas Geschichte über das Eremitentum

Montag, 26 Januar 2009 von mal

Der Rest ist Schweigen und Askese

Sie haben keinen besonders guten Ruf. “Das Wort Eremit oder Einsiedler weckt bei vielen Leuten die Vorstellung, das seien sonderbare Menschen, weltfremd oder menschenscheu”, sagt Marianne Schlosser, Theologieprofessorin an der Universität Wien. Auch in der Kirche waren Eremiten lange Zeit nicht sonderlich beliebt. “Ein Eremit nützt niemandem” urteilte der Dominikaner Meister Eckhardt bereits zu Beginn des 14. Jahrhunderts. Dabei waren es Eremiten, die als Christen erstmals Ernst machten mit der Nachfolge Christi. Man könnte sogar sagen: Ohne Eremiten wäre das christliche Mönchtum schlicht undenkbar.

Das Wurzeln des Eremitentums gehen zurück auf das 3. Jahrhundert, als sich die ersten Christen aus Alexandria und anderen Städten in die Wüste zurückzogen, um sich dort, meist allein lebend, ganz dem Gebet, der Meditation, der paulinischen Forderung “Betet ohne Unterlass” (1.Thess 5,17) zu widmen. Diese ersten Eremiten wurden Anachoreten genannt, was übersetzt so viel bedeutet wie “einer, der sich zurückzieht”.

Viele der Wüstenväter und –mütter entwickelten in der Einsamkeit eine so tiefe Spiritualität und zum Teil beeindruckende Weisheit, dass sie bei ihren Zeitgenossen bald als Ratgeber, als Beichtväter oder spirituelle Führer sehr gefragt waren. Um von ihnen zu lernen, siedelten sich um etliche Anachoreten – etwa Antonius Abbas oder Evagrius Ponticus - bald andere Christen an. Aus den Einsiedeleien entstanden so erste Klöster oder Ortschaften. Noch heute gehen viele Formen christlicher Frömmigkeit, etwa das in der Ostkirche beliebte Herzensgebet sowie die Kontemplation, auf die spirituellen Praktiken der Wüstenväter zurück.

Spätestens mit der “Regula Benedicti” - die Benedikt von Nursia um 530 eigentlich nur für das von ihm gegründete Kloster Monte Cassino verfasst hatte, die aber später zur Grundlage etlicher Ordensregeln wurde - galt plötzlich nicht mehr das Anachoretentum, sondern das Koinobitentum als höchste Form des Mönchstums. Als Koinobite wird ein “gemeinsam Lebender” bezeichnet. Von der Genese und dem Ideal her betrachtet, blieben jedoch alle Ordensleute immer auch Eremiten. Darauf deutet nicht nur der Name Mönch hin – das Wort kommt vom griechischen “Monachos”, der Einzelne – sondern etliche Regeln und Rituale. Mönche leben in ihren Zellen allein. Enge Freundschaften sind verpönt, da der Mönch sich ganz auf Gott ausrichten soll. In etlichen Orden wurde Neulingen beim Ablegen der Gelübde bis vor wenigen Jahren noch ein Leichentuch übergeworfen. Dies galt als Zeichen dafür, dass die Schwester oder der Bruder nun für die ‚normale Welt’ gestorben seien.

Am Radikalsten wurde die Gemeinschaft der Einzelnen, der Einsiedler in dem einzigen bis heute nie reformierten römisch-katholischen Orden, den Kartäusern, verwirklicht. Die Mönche verbringen 20 von 24 Stunden des Tages allein in ihren Zellen. Nur zum gemeinsamen Gebet treffen sie sich. Der Rest des kartusianischen Lebens ist, wie der Film “Die Große Stille” von Philip Gröning eindrucksvoll zeigt, Askese und Schweigen!

Echte Einsiedeleien oder Klausen aber blieben in der Geschichte des Christentums eher eine Randerscheinung. Immer mal wieder gab es im Mittelalter einzelne Nicht-Mönche, etwa der bekannte Schweizer Mystiker Niklaus von Flüe, die sich auf Berge, Wälder oder Inseln zurückzogen. Die wohl radikalste Form des Eremitentums praktizierten die so genannten Inklusen oder Reklusen. Meist waren dies Ordensfrauen, die sich für ein Leben in Buße und Gebet in kleine Behausungen an der Außenmauer von Kirchen oder Klöstern einmauern ließen. Mit dem Notwendigsten – etwa der Heiligen Kommunion sowie sonstiger Nahrung – wurden die Reklusen durch ein, zwei Luken Behausung versorgt.

Spirituell jedoch hatten die Anachoreten stets großen Einfluss auf die Kirchengeschichte “Fast alle großen Ordensgründer wie Augustinus, Benedikt von Nursia, Franziskus und Klara von Assisi, Dominikus und auch Ignatius von Loyola lasen oder hörten über die Wüstenasketen oder hatten selber Kontakt zu Einsiedlern oder weiblichen Reklusen”, sagt Maria Anna Leenen, die seit 15 Jahren als so genannte Diözesaneremitin in einer norddeutschen Klause lebt. Von Benedikt, dem Gründer des Benediktinerordens wird berichtet, dass er das Großstadtleben verabscheut und sich immer mal wieder in eine Höhle bei Rom zurückgezogen haben soll. Einmal soll er dort sogar drei Jahre ausgeharrt haben.

In den Ostkirchen, insbesondere in Russland und in Griechenland, auf dem Berg Athos, hat es seit jeher eine große Anzahl eremitisch lebender Mönche gegeben. Nach Angaben der Wiener Theologin Schlosser erlebt das Eremitentum seit den 1920er Jahren aber auch in den westlichen Kirchen eine vorsichtige Renaissance. Die Zahl der in Deutschland lebenden Eremiten beziffert Schlosser auf 80. In Frankreich soll es inzwischen mehr als 300 Eremiten geben. In Italien und Spanien, so wird geschätzt, könnten es jeweils bereits mehr als Tausend sein. Der Vatikan trug dieser Entwicklung Rechnung, und stellte das Eremitentum 1983 im Canon 603 des Codex Juris Canonici (CIC) erstmals auf offizielle kirchenrechtliche Beine. Neben Ordensleben und der Jungfrauenweihe gibt es nun mit dem Dasein als Diözesaneremit eine weitere Möglichkeit, ein gottgeweihtes Leben in der Nachfolge Christi zu leben.

Andreas Kaiser
erschienen im Rheinischen Merkur am 24. Juli. 2008

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Gesegnetes Neues Jahr!

Donnerstag, 1 Januar 2009 von mal

Allen Besuchern meines Blogs und allen Bloggern ein frohes und gesegnetes Neues Jahr!
Eine lange Nacht liegt hinter mir, in der ich einmal alles, was 2008 gewesen ist, in Ruhe vor Gott bedacht habe … und ich konnte dankbar sein für soviel Gnade.
Und jetzt: gespannt sein, was 2009 alles bringen wird. Egal, was es auch sein wird: aus Gottes Hand kann nichts fallen, in ihm bin ich, sind wir geborgen.

pax et bonum
mal

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Gesegnetes Fest der Geburt Jesu!

Donnerstag, 25 Dezember 2008 von mal

Allen Besuchern meines Blog wünsche ich ein gesegnetes Weihnachtsfest mit stillen Momenten, in denen die Wucht dieses Ereignisses wenigstens ein klein wenig zu spüren ist.
Pax et Bonum
mal

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Neue Seite bei amerikanischen Eremiten

Dienstag, 16 Dezember 2008 von mal

Ravens Bread ist ja schon seit langem hier auf der Seite verlinkt. Nun haben Karen und Paul eine neue Seite aufgebaut, die wesentlich mehr an Informationen enthält und weiter ausgebaut werden wird.
Nun … die beiden sind schneller als ich.
Es lohnt sich dort einmal zu stöbern.
Pax et Bonum
mal

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Eremitin der Ostkirche

Samstag, 13 Dezember 2008 von mal

Ein Gruß zum Sonntag Gaudete und der Hinweis, dass in der Blogroll eine sehr interessante Seite ist über eine Eremitin der Ostkirche.
Ein weiterer Mosaikstein in der abwechslungsreichen Landschaft der deutschen Eremiten.
Pax et Bonum
mal

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Live-Sendung Domradio Köln

Dienstag, 2 Dezember 2008 von mal

Am vergangenen Mittwoch lief im Domradio Köln eine Live-Sendung zum Thema Eremiten. Ich durfte als Studiogast dabei sein. Andere Eremiten und auch der Ordensreferent des Bistums Osnabrück wurden per Telefon dazu geschaltet.
Der Link steht in der Blogroll.
Vielleicht hört Ihr einmal rein. Ich glaube, es ist wirklich gut geworden, auch Dank der sehr guten Moderation von Angela Krumpen.
Pax et Bonum
mal

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Bisschen was zu lesen …

Montag, 29 September 2008 von mal

Ich setze den Text hier einmal rein, damit ihr wenigstens endlich mal etwas neues zu lesen habt.
:-)
Pax et Bonum
mal

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Die Wucht der Einsamkeit

Montag, 29 September 2008 von mal

Eremiten sind im Kommen. Erstaunlich! Erstaunlich?
Ihre Spur, die faszinierend große Bandbreite an individueller Ausprägung dieser Nachfolge Jesu Christi, zieht sich durch alle Epochen der Kirchengeschichte. Selber seit 15 Jahren auf diesem Weg, ist die Anziehungskraft mit den Jahren intensiver geworden, die Freude, die Bereitschaft in dieser Lebensform zu verbleiben und das tägliche Leben in allen Bereichen noch ausschließlicher nur davon durchtränken zu lassen, größer und stärker. Doch was ist das überhaupt, ein Eremit, eine Einsiedlerin, eine Klausnerin, ein Anachoret? Verblüffend ist die Tatsache, dass fast jeder den Begriff Einsiedler kennt und zu wissen meint, was das denn für seltsam-exotische “Vögel” seien. Literarische Verarbeitungen und Darstellungen der bildenden Kunst taten und tun ein Übriges, kaum glaubhafte, skurrile, magische und manchmal einfach nur witzige Klischees in den Köpfen zu verfestigen. Meist sind diese Bilder des Eremitentums – die nur schwer von Vorurteilen zu unterscheiden sind – Vorstellungen aus der religiösen Welt des 19. und 20. Jahrhunderts. Die stimmungsvollen Zeichnungen eines Moritz von Schwind etwa (1804-1871), der Eremiten malte, die Pfeife rauchend in ihren idyllischen Felsentälern sitzen, umgeben von zwitschernden Vögelchen und sanftäugigen Rehkitzen. Welch schönes Bild: ich und der liebe Gott in trauter Zweisamkeit, ungestört von der bösen Welt. Was für eine Vorstellung von Kontemplation, von Nachfolge, von einem Gott, “mit dem man doch nicht einfach wie mit einem braven Weib in einem Schrebergartenhäuschen seine Tage verlebt.”(B. Schellenberger)
Vielleicht ist das verhältnismäßig starke Anwachsen der eremitischen Berufungen eine Reaktion, eine winzigkleine, aber markante Reaktion auf einige Ausprägungen der Postmoderne? Wenn in den letzten Jahrzehnten der Rückzug ins Private, Subjektivierung und ein erschreckender Trend zur Beliebigkeit festzustellen waren und massiv Vereinsamung und Orientierungslosigkeit zu spüren sind, vielleicht ist das Leben von Eremiten eine(!) Antwort darauf? Sicher, auch Eremiten ziehen sich zurück. Doch dieser Rückzug, der unbedingt zu ihrem Leben dazu gehört, ist ein Versuch, Einsamkeit als Weg zum Wesentlichen zu sehen und so von innen heraus zu tiefer, echter Gemeinschaft zu finden. Eremitische Einsamkeit, die besser mit Zurückgezogenheit benannt werden sollte, wird nicht konstituiert durch radikale Kontaktlosigkeit oder durch eine ängstliche Flucht vor den Menschen. Ihre manchmal brennende Schärfe erhält sie durch die unausweichliche Erkenntnis, dass jeder Mensch im Grunde allein ist. Die Erfahrungen in der Klause führen genau zu diesen Punkt hin. Die Frage dabei ist nicht: Gott oder die Welt?, sondern: Was muss ich tun um die Kraft zu haben und den Mut, Gott überall zu finden oder besser: mich überall von ihm finden zu lassen, gerade in schmerzhafter Einsamkeit, in der Konfrontation mit mir selbst an einem Ort, der mir fast alle Möglichkeiten zur Ablenkung nimmt. Das zurückgezogene Leben in der Klause entwickelt sich irgendwann zu einem Brennspiegel, der mich erfahren lässt was Einsamkeit wesentlich ist und wie groß die Herausforderung, durch sie hindurch zu gehen hin zu dem Ort, an dem Christus wahrhaft gegenwärtig ist in mir.
Immer wieder gibt es begeisterte Aspiranten, die nichts sehnlicher wünschen als schnell in großer Zurückgezogenheit zu leben. Aber man kann sie nur warnen: die Wucht dieser Erfahrungen kann wie herabstürzende Felsbrocken urplötzlich in die vermeintliche Idylle des Eremiten stürzen und ihn erschlagen, wenn sein geistliches Handwerkszeug nicht ausreicht und er das Netz des Gebetes und das schützende Vordach eines bedingungslosen Vertrauens auf Christus nicht auszubreiten vermag. Das macht auch deutlich, wie sehr dieses Leben ein Leben der Buße ist, ja, sein muss!
Wenn der das eremitische Leben betreffende Abschnitt des Weltkatechismus in Bezug auf c. 603 CIC schreibt: “… durch ständiges Beten und Büßen (weihen sie) ihr Leben dem Lob Gottes und dem Heil der Welt.” (921) ist damit nicht die ganze und manchmal so schwer verständliche Mortifikationspraxis früherer Jahrhunderte gemeint. Bußgürtel, Geißel und Nagelbrett, Nahrungslosigkeit und Schlafentzug waren Ausdruck des jeweiligen Verständnisses der Leib - Seele Beziehung und natürlich des aktuellen Gottesbildes. Nicht selten verstärkten sie sehr subtil die Fehlhaltungen, die mit ihnen bekämpft werden sollten oder injizierten dem Pönitenten in homöopathischen Dosen Hochmut und Stolz.
Eigentlich reicht es völlig aus, sich in der Stille der Einsamkeit konfrontieren zu lassen mit sich selbst. Wenn die Fassaden bröckeln, wenn sich die selbst gebastelten Bilder, die das mächtige Ich des Menschen malt und laufend retuschiert im Licht Seiner Gnade als das erweisen, was sie sind – mehr oder weniger geschickte Verschleierungstaktiken und Verdrängungsmechanismen der Wahrheit – dann leuchtet auf, was Buße ist, warum sie beständig notwendig ist und wo die Schwierigkeiten liegen.
Buße so verstanden ist im ursprünglichen Sinne metanoia, Umkehr, ein sich durch Gottes Gnade radikal umwandeln lassen. Es ist ein lebenslanger Prozess, die eigenen Abgründe und toten Winkel des Herzens anzuschauen, sie dem Gekreuzigten und seinem Erbarmen in Demut hinzuhalten und umwandeln zu lassen in lichtvolles Zeugnis der wirkmächtigen Gegenwart des Auferstandenen.
Möglich ist dieses Leben nur im Gebet, im beständigen, immerwährenden Gebet! Der Dialog mit dem, der zu diesem Leben beruft, das Hören und neu Hören und immer wieder Hören auf seine leise Stimme, ist das goldene Seil, das sicher über alle Untiefen und Schrecken erregenden Dunkelheiten führt.
Eremitisches Leben heute versteht sich ganz klar als Dienst und nicht als ein Kuscheleckchen mit dem lieben Jesulein für das Heil der eigenen Seele. Wenn der Apostel Paulus im Römerbrief und im 1. Korintherbrief von der Gemeinschaft der Christen als von einem Leib spricht (Röm 12,4f; 1Kor 12,13f) wird damit auch deutlich, dass das verborgene Gebet des Eremiten Auswirkungen hat auf alle. Und sein Leben, selbst wenn es nur die nächsten Nachbarn bemerken, gibt Zeugnis ab von einem fundamentalen Element christlichen Lebens: Ohne die persönliche und in den jeweils individuellen Ausprägungen des Menschen sich ausdeutende Freundschaft mit Jesus Christus ist christliches Leben nicht möglich! Aber um diese Freundschaft leben und gestalten zu können und damit immer neu ihre tiefe Kraft und Freude zu erleben, muss der Mensch seine eigene Einsamkeit durchschreiten, er muss einsamkeitsfähig werden. Ebenso ist die Umkehr des Christen nicht in seine Beliebigkeit gestellt, denn die Verschleierungstaktiken benutzen geschickt die menschliche Scheu vor den Abgründen im eigenen Herzen und rechnen mit der Bequemlichkeit, den Status Quo einer dynamischen Verwandlung vorzuziehen. Nicht zuletzt kostet das Gebet nicht wenig Mühe, am Anfang, immer wieder zwischendurch und eigentlich immer. Alles Gründe, die der Eremit und die Einsiedlerin genauso gut kennen wie alle Christen. Und doch! Wenn mein Tag als Eremitin im 21. Jahrhundert geprägt ist von dem Versuch, das goldene Seil des Gebetes unter keinen Umständen aus den Fingern gleiten zu lassen, speist sich dieses Mühen auch aus der Erfahrung, dass er wahrhaft anwesend ist, dass die Gegenwart Jesu Christi real und spürbar ist auch heute.
Ihm zu folgen in die Wüste der inneren Landschaft, auf Ihn zu hören und seiner leisen und lockenden zärtlichen Stimme, immer wieder sich seiner umwandelnden Gnade zu stellen und sich ihr auszusetzen ist mehr Glück als ein Mensch fassen kann. Ein Glück, nicht nur für Eremiten. Jeder, der Jesu Stimme hört, ist eingeladen. Vielleicht nicht zu einem Leben als Eremit. Sicher aber zu einer persönlichen Freundschaft mit dem, der das Heil und tiefe Glück der Welt und aller Menschen ist.

am 24.Juli erschienen im Rheinischen Merkur

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